Die allogene Transplantation
Für mich wurde ein Stammzellspender gefunden. Wie geht es weiter?

Familienspender
Falls Sie einen Familienspender haben, müssen nun von diesem Stammzellen gewonnen werden. In der Regel entnehmen wir Blutstammzellen. Hierzu muß der Spender für eine Woche in die Klinik kommen. An den ersten Tagen seines Aufenthalts wird er gründlich internistisch untersucht (einschließlich Blutuntersuchungen, EKG, Röntgen der Lunge etc). Dies ist erforderlich, um das Vorliegen möglicherweise übetragbarer Erkrankungen auszuschließen und um besser abschätzen zu können, ob der Spender die Mobilisations- und Sammelprozedur gut überstehen wird. Fallen diese Untersuchungen zufriedenstellend aus, dann wird für 4 Tage täglich ein Wachstumsfaktor (G-CSF) unter die Haut injiziert. Hierunter kommt es zu einem Anstieg der weißen Blutkörperchen und der Stammzellen im Blut. Als unerwünschte Nebenwirkung verspüren manche Spender in dieser Periode tolerable ziehende Gelenk- oder Knochenschmerzen (siehe Blutstammzell-Mobilisierung). Die Konzentration der Stammzellen im Blut ist meistens nach 4-tägiger Stimulation für eine Abtrennung am Zellseparator (Apherese) geeignet. Die Abtrennung selbst erfolgt in der Blutbank und dauert ca. 2 - 3 Stunden (siehe Blutstammzell-Ernte). Die gewonnen Zellen werden in der Regel eingeforen und bis zur Transplantation gelagert.

Fremdspender
Bei Fremdspendertransplantationen sind die Vorbereitungen etwas komplizierter, da die Bedürfnisse und Wünsche von Patient und Spender aufeinander abgestimmt werden müssen. Zunächst muß ein vorläufiger Transplantationstermin festgelegt werden.

Voruntersuchungen des Patienten
4 - 8 Wochen vor der geplanten Transplantation wird der Patient noch einmal über die Chancen und Risiken und den Ablauf der Transplantation informiert. In dieser Zeit erfolgen noch einmal gründliche Untersuchungen durch Internisten, Hals-Nasen-Ohrenarzt, Zahnarzt, Gynäkologen, sowie Untersuchungen des Bluts und technische und bildgebende Verfahren (EKG, Lungenfunktion, Ergometrie, Röntgen, ggf Computertomographien etc.). Diese Untersuchungen werden deshalb so früh durchgeführt, damit man falls erforderlich, u.U. aufgedeckte Probleme rechtzeitig beseitigen kann.

Aufnahme auf die Transplantationsstation
Ca. 14 Tage vor der Transplantation werden die Patienten stationär aufgenommen. Hier werden sie erneut untersucht. Sie bekommen die Aufklärungsbögen über die Transplantationsprozedur vorgelegt und die Einwilligungsformulare, die Sie vor Beginn der Maßnahme unterschreiben müssen. Zunächst bekommen Sie durch einen kleinen chriurgischen Eingriff einen Venenkatheter (Hickman- oder Broviac-Katheter) implantiert (siehe Hickman-Katheter)

Vorbehandlung
Vor der Transplantation wird eine intensive Chemotherapie verabreicht. Bei einigen Leukämieformen wird sie mit einer Ganzkörperbestrahlung kombiniert (siehe Konditionierungsbehandlung, siehe Ganzkörperbestrahlung). Ziel der Vorbehandlung ist die Ausrottung der Leukämie und die Vorbereitung des Empfängerorganismus auf das Stammzellpräparat. Während der Vorbehandlung kann es zu leichter Übelkeit kommen.

Stammzelltransplantation
Die Transplantation selbst ist wenig spektakulär. Das Stammzellpräparat wird wie eine Bluttransfusion über den Katheter in die Vene verabreicht (siehe Stammzelltransplantation). Nebenwirkungen können ähnlich wie bei Bluttransfusionen auftreten. Vorher eingefrorene Präparate haben wegen des Gehalts an Gefrierschutzmitten (DMSO) vorübergehend einen unangenehmen Geruch (siehe Kryokonservierung).

Die ersten 2 - 3 Wochen nach Transplantation
Diese Periode ist durch einen Abfall der Leukozyten und Thrombozyten gekennzeichnet. Der Mangel an Leukozyten hat eine ausgeprägte Neigung zu bakteriellen Infektionen zur Folge. Diese äußert sich im Auftreten von Fieber und Entzündungen z.B. der Lunge. Um das Risiko durch derartige Infektionen zu vermindern werden bereits vorbeugend Antibiotika verabreicht. Falls trotzdem Fieber auftritt wird mit intravenös zu verabreichenden Antibiotika behandelt. Gegen Ende der Phase des Leukozytenmangels muß mit dem Auftreten von Pilzinfektionen (Aspergillus) gerechnet werden. Mit Beginn der Leukozytenregeneration entfiebern die meisten Patienten und erholen sich von ihren Infektionen. Eine weitere Folge der intensiven Chemotherapie ist eine sich bei vielen Patienten entwickelnde Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis). Diese kann schmerzhaft sein und die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit beeinträchtigen. Durch den Mangel an Thrombozyten kann es zu Blutungen kommen. Diese sind meist nur leicht und oberflächlich, können aber auch schwerwiegend und lebensbedrohlich sein. Um das Risiko einer Blutung möglichst niedrig zu halten, werden regelmäßig Thrombozyten Konzentrate verabreicht. Neben den genannten Problemen können noch eine Reihe anderer Komplikationen auftreten. Diese sind aber selten und werden deshalb hier nicht besprochen.

Die folgenden 4 - 6 Wochen nach Transplantation
In dieser Phase erholen sich die Patienten von den Problemen der frühen Nach-Transplantationsphase, d.h. vorher bestehendes Fieber geht zurück, der Mund bessert sich, das Allgemeinbefinden und die Stimmung steigen. Patienten mit komplikationsarmem Verlauf können u.U. bereits nach 4 - 5 Wochen nach Hause entlassen werden. Nicht selten stehen der frühen Entlassung aber noch Probleme im Weg. Hierzu gehört die Graft-versus-Host Erkrankung (siehe dort) und ihre Behandlung. In diesem Zusammenhang kann es auch zu Reaktivierungen bestimmter Viren (z.B. Cytomegalievirus) kommen, die spezielle Behandlungen erforderlich machen.

Nach der Entlassung
In der Frühphase nach der Transplantation ist der Gesundheitszustand noch relativ labil. Deshalb ist besondere Sorgfalt bei der Einnahme der verordneten Medikamente, der Nahrungsauswahl, beim Umgang mit anderen Personen erforderlich, der Umgang mit Pflanzen und Tieren ist zu meiden. Die Körperpflege ist wichtig, ebenso Kontrollen der Körpertemperatur und des Gewichts. Bei Problemen oder dem Auftreten von Fieber über 38o C ist unverzüglich mit der Klinik Kontakt aufzunehmen. Insbesondere Fieberzustände sind sehr ernst zu nehmen.
Anfänglich werden Patienten einmal pro Woche ambulant untersucht. Die Abstände der Untersuchungen werden abhängig vom Zustand schrittweise vergrößert.

In größerem Abstand zur Transplantation
sind Schutzimpfungen gegen Wundstarrkrampf, Kinderlähmung und andere Erkrankungen erforderlich. Frauen erhalten einen Ersatz von Geschlechtshormonen, um Hormonmangelerscheinungen vorzubeugen.