Die autologe Transplantation

Eigentlich ist die Bezeichnung autologe Transplantation für dieses Behandlungsverfahren nicht korrekt oder zumindest nicht vollständig. Besser müsste es lauten: Hochdosischemotherapie mit nachfolgender Stammzelltransplantation. Bei der Anwendung dieses Verfahrens geht man von der Vorstellung aus, daß höhere Dosen von Zytostatika wirksamer sind als niedrigere, und daß ultrahohe Dosen die Wirkung noch weiter steigern können. Da diese sehr hohen Dosen von Zytostatika die Blutbildung des Patienten nachhaltig (irreversibel) beeinträchtigen können, gibt man zur Korrektur dieses Defekts vor der Chemotherapie entnommene und außerhalb des Körpers (in flüssigem Stickstoff) gelagerte blutbildende Stammzellen in den Organismus zurück. Mit diesen "sät" man gewissermaßen das zerstörte Knochenmark wieder an. Mit anderen Worten, die eigentliche Tumorbehandlung ist die Hochdosischemotherapie. Die Stammzelltransplantation korrigiert nur die an sich unerwünschte und unnötige aber unvermeidliche Schädigung des Knochenmarks.

Wie laufen die Vorbereitungen und die autologe Transplantation ab?

Stammzellgewinnung

Zunächst müssen die autologen Stammzellen gewonnen werden. Früher entnahm man dem Patienten hierzu Knochenmark (dieses enthält die Stammzellen). Die Übertragung von Knochenmark bezeichnete man dann als autologe Knochenmarktransplantation. Heute werden in den meisten Fällen Stammzellen aus dem peripheren Blut gewonnen. Die Übertragung dieser Zellen bezeichnet man als periphere Blutstammzelltransplantation. Um diese peripheren Blutstammzellen zu gewinnen müssen sie zunächst mobilisiert werden (Stammzell-Mobilisation). Dies geschieht mit subcutaner Gabe von Wachstumsfaktoren (G-CSF) über einige Tage, oder - meist etwas wirkungsvoller - im Anschluß an einen Chemotherapiezyklus, wie er zur Behandlung einer bösartigen Erkrankung normalerweise verabreicht wird. Knochenmark oder periphere Blutstammzellen werden nach der Entnahme auf den Stammzellgehalt getestet und eingefroren (Kryokonservierung).

Voruntersuchungen

Vor Durchführung der Hochdosis-Chemotherapie wird der Patient noch einmal gründlich untersucht, mit dem Ziel mögliche Risken frühzeitig zu erfassen, damit diese gegebenenfalls noch vor der intensiven Therapie korrigieren zu können. Zusätzlich erfolgen Untersuchungen, mit denen die Ausbreitung der Grunderkrankung festgestellt werden soll.

Hochdosischemotherapie

Nach zwei oder drei normal dosierten Chemotherapiezyklen wird die Hochdosis-Chemotherapie verabreicht. Die Auswahl der zu verabreichenden Zytostatika richtet sich nach der Erkrankung des Patienten. Aus Sicherheitsgründen wird ein zentraler Venenkatheter gelegt, über den Medikamente, Blutkonserven, Flüssigkeit und Nährlösungen verabreicht werden können. Entstehende meist nur leichte Übelkeit wird mit entsprechenden Medikamenten behandelt.

Stammzelltransplantation

Nach einem Tag Pause nach der letzten Dosis Chemotherapie werden die Stammzellen aufgetaut und über den Katheter in die Vene verabreicht.

Die ersten zwei Wochen nach Transplantation

Die vorausgegangene Chemotherapie führt zu einem Abfall der weißen Blutkörperchen und der Thrombozyten. Dies hat zur Folge, daß die meisten Patienten Entzündungen entwickeln, was sich im Auftreten von Fieber äußert, und mit Antibiotika behandelt werden muß. Weiter können leichte Blutungen auftreten und eine Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis). Nach 10 - 14 Tagen lassen sich meist die ersten Zeichen der sich vollziehenden Regeneration der Blutbildung erkennen - die Stomatitis bessert sich, das Fieber sinkt.

Entlassung aus stationärer Behandlung

Drei bis vier Wochen nach Transplantatation gehen die meisten Patienten nach Hause. Vorraussetzung ist, daß sie ausreichen essen und trinken können, daß sie auch ohne Gabe von Antibiotika kein Fieber haben und ausreichende Leukozyten und Thrombozytenzahlen.

Tandem-Hochdosischemotherapie

Bei einzelnen Tumor- oder Bluterkrankungen hat man den Eindruck, daß es Vorteilhaft ist, zwei Zyklen Hochdosis-Chemotherapie hintereinander zu verabreichen.

Wann empfehlen wir eine allogene und wann eine autologe Stammzelltransplantation?

Bei der Überlegung, ob man allogene oder autologe Stammzellen übertragen sollte, müssen viele Dinge berücksichtigt werden. Wichtig ist die Art der Erkrankung, und das Krankheitsstadium, ob das Knochenmark krankheitsfrei oder befallen war oder noch ist, das Alter des Patienten, die Funktion von Niere, Leber, Lunge etc. Bis vor einigen Jahren war die Entscheidung etwas einfacher als heute, man hat sich nach dem Alter gerichtet und Patienten über 50 - 55 Jahren und Patienten, die keinen Familienspender hatten eine autologe Transplantation empfohlen. Mit den in den letzten Jahren entwickelten besser verträglichen Vorbehandlungen kann man heute auch Patienten allogen transplantieren, die älter als 55 Jahre sind. Hinzu kommt die zunehmende Vefügbarkeit von Fremdspendern und die wachsende praktische Erfahrung auf dem Gebiet der Fremdspendertransplantation. Es gibt keine zuverlässigen Untersuchungen, in denen der Wert einer allogenen mit dem einer autologen Transplantation verglichen wurde.

Der Vorteil einer autologen Transplantation liegt in seiner besseren Verträglichkeit. Wesentliche Nachteile sind das Ausbleiben einer gegen die Leukämie, den Tumor gerichteten immunologischen Abwehrreaktion (Graft-versus-Leukämie- oder Graft-versus-Tumor-Reaktion), sowie die mögliche Übertragung von Leukämie- oder Tumorzellen durch das Transplantat.

Vorteile der allogenen Transplantation bestehen in der Induktion einer immunologischen Abwehrreaktion (Graft-versus-Leukämie- oder Graft-versus-Tumor-Reaktion), in der Übertragung nicht durch Chemotherapie vorgeschädigter und nicht potentiell durch Tumorzellen verunreinigter Stammzellen. Nachteilig kann die Entwicklung einer therapeutisch nicht beherrschbaren Graft-versus-Host Erkrankung (GvHD) sein. Leichte Formen einer GvHD sind durchaus erwünscht.