Nebenwirkungen und Möglichkeiten ihrer Bekämpfung

Unangenehm bei der Chemotherapie sind die Nebenwirkungen. Sie sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und werden auch verschieden in der Belastung empfunden. Durch die Möglichkeiten der Vorbeugung und Bekämpfung müssen die Nebenwirkungen heute erfreulicherweise längst nicht mehr so schwerwiegend sein, wie das vor Jahren noch der Fall war. Eine Ursache der Nebenwirkungen von Zytostatika ist, dass sie nicht nur Krebszellen angreifen, sondern auch auf normale Körperzellen wirken können. Das führt unter anderem zu der von vielen Patienten immer noch sehr gefürchteten Übelkeit und Erbrechen. Mit sehr wirksamen Medikamenten kann man diese Beschwerden heute allerdings vermeiden bzw. zumindest weitestgehend unterdrücken.

Zytostatika greifen neben den Krebszellen auch normale Körperzellen an, die sich besonders häufig teilen. Dazu gehören Haarwurzelzellen, Knochenmarkszellen (welche die verschiedenen Blutzellen bilden) und Schleimhautzellen in Mund, Speiseröhre und Magen-Darm-Trakt.

Schädigung der Haarwurzelzellen

Die Schädigung der Haarwurzelzellen kann zum Haarausfall und völligen Haarverlust führen. Ausgefallene Haare wachsen jedoch innerhalb von 2 – 4 Monaten nach Beendigung der Chemotherapie wieder nach. Der Haarverlust tritt nicht bei allen Chemotherapieformen auf. Ist bei Ihrer Chemotherapie ein stärkerer Haarverlust zu erwarten, wird Sie Ihr Arzt darüber genau informieren. Sie können sich dann schon vor Beginn der Therapie eine Perücke anfertigen lassen, die von der Krankenkasse auch bezahlt wird. Dies hilft Ihnen, die belastende Zeit bis die Haare nachgewachsen sind, zu überbrücken. Lassen Sie sich frühzeitig von einem Friseur beraten, damit er eine passende Perücke besorgen kann.

Nach oben

Schädigung des Knochenmarks

Die Wirkung der Chemotherapie auf das Knochenmark kann zu einem vorübergehenden Abfall der weißen und roten Blutkörperchen und auch der Blutplättchen führen. Ein Absinken der roten Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport zuständig sind, bemerken Sie an zunehmender Hautblässe und vermehrter Müdigkeit und Kurzatmigkeit. Dies kann auch eine Bluttransfusion oder auch die Gabe von Medikamenten, die die Bildung der roten Blutkörperchen anregen, notwendig machen. Ein sehr starkes Absinken der Blutplättchen, was üblicherweise nur bei intensiven Chemotherapien vorkommt, kann zu einer erhöhten Blutungsneigung führen. Wenn erforderlich können Blutplättchen ebenfalls durch eine Transfusion ersetzt werden.

Da die weissen Blutkörperchen für die Infektabwehr wichtig sind, besteht bei ihrem Abfall eine erhöhte Infektneigung. Die niedrigste Zahl tritt etwa 8 – 14 Tage nach der Chemotherapie auf, danach normalisieren sich die Werte wieder (gesunde Zellen erholen sich viel schneller als bösartige Zellen von der Schädigung). Weisse Blutkörperchen können nicht über eine Transfusion ersetzt werden, jedoch kann dabei Patienten, bei denen eine lang andauernde Phase sehr niedriger weisser Blutzellen zu erwarten ist, die Gabe von Substanzen erfolgen, die deren Bildung stimulieren. Sie werden wie z.B. eine Insulinspritze in die Bauchhaut gespritzt.

Es ist äußerst wichtig, dass Sie unter der Therapie auf Zeichen einer Infektion wie neu aufgetretenen Husten, Brennen beim Wasserlassen, Schüttelfrost, Durchfall und insbesondere Fieber achten. Von Fieber spricht der Arzt bei einer Erhöhung der Körpertemperatur über 38 Grad Celsius. Da bei geschwächtem Immunsystem Infektionen schneller und ausgeprägter verlaufen, ist eine umgehende Vorstellung bei einem Arzt (auch an Wochenenden, z.B. in der Rettungsstelle) sehr wichtig, damit Antibiotika gegen eine Infektion in einer frühen Phase eingesetzt werden können. Unbehandelnde Infektionen können unter Umständen rasch zu einer Blutvergiftung und im schlimmsten Falle zum Tode führen.

Nach oben

Schädigung der Schleimhäute

Zu der erhöhten Infektionsneigung tragen auch Schleimhautschädigungen bei, die durch Chemotherapie verursacht werden können. Hierdurch können Keime, z.B. über die Darmschleimhaut ihrer Darmflora, leichter über die geschädigte Schleimhaut in die Blutbahn eindringen.
Wichtig ist während der Chemotherapie eine gewissenhafte Mundpflege. Neben der normalen Mundhygiene erhalten Sie eine Mundspüllösung, gegebenenfalls auch ein Mittel gegen Pilze. Diese sollten sie regelmäßig anwenden. Viele Patienten berichten auch über eine Linderung der Beschwerden durch Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee oder auch durch das Lutschen von Eis während der Infusion.

Nahrungsmittel und Getränke, von denen bei Magen-, Verdauungs- oder Mundschleimhautproblemen, empfohlen wird, sie nicht oder nur in geringen Mengen zu verzehren:

  • blähende Speisen (z.B. Rotkohl, Sauerkraut, Bohnen, Paprika)
  • scharf gewürzte Speisen (z.B. Chili con carne)
  • sehr süße Speisen
  • Speisen und Getränke, die viel Säure enthalten (z.B. Zitrussäfte, Tomatensuppe, Produkte mit viel Essig)
  • sehr harte Nahrungsmittel (z.B. harte Semmeln oder „scharfkantige“
    Bonbons wegen Verletzungen der Mundschleimhaut)
  • fette Speisen (z.B. Ölsardinen, Schweinshaxe, panierte Speisen)
  • Mundspülungen mit einer lindernden bzw. desinfizierenden Lösung (nach Empfehlung des Arztes)
  • Wenn der Arzt Ihnen zusätzlich Medikamente verordnet, um Infektionen vorzubeugen, sollten Sie diese gewissenhaft einnehmen
  • Regelmässige Blutbildkontrollen
  • Tägliche Temperaturmessungen, am besten unter der Zunge (nicht rektal)

WICHTIG!
Wichtig ist, dass Sie generell Beschwerden (Erbrechen, Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen, Herzschmerzen) oder Veränderungen an ihrem Körper (z.B. Ausschläge), die in Zusammenhangmit der Therapie auftreten, ihrem Arzt berichten!

Nach oben

Schädigung der Keimzellen

Chemotherapeutika können die Keimzellen von Mann und Frau schädigen. Während der Chemotherapie muss deshalb eine Schwangerschaft zuverlässig verhütet werden. Wie lange dies auch noch über die Chemotherapie hinaus erforderlich ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Nach oben